Montag, 28. November 2016

Es wird nicht alles besser oder schlechter... aber anders.... - Was bleibt, ist der Adventskalender?!












In diesem Jahr wollte ich ihn fast wegfallen lassen oder durch einen komplett fertig Gekauften ersetzen, aber dann habe ich es doch wieder nicht über mein Herz gebracht.
Es ist doch immer wieder zu schön, wenn die Jungs morgens die Päckchen öffnen.
Egal, wie alt sie sind - und egal, wie alt ich bin....

Während ich dieser Tage also wieder einmal mit den obligatorischen 48 Päckchen für die Adventskalender meiner Jungs beschäftigt war, musste ich oft darüber schmunzeln, was für Gedanken mir nach nun sechzehn Jahren Muttersein dabei durch den Kopf gehen.
(Man hat ja schließlich auch etwas Zeit dabei...)









Das waren nicht nur Gedanken, die Kinder betreffend, aber dennoch
Es ist und bleibt ein Wahnsinn, wie schnell und wie sehr sich die Dinge mit Kindern im Laufe der Jahre verändern.
Das Leben als solches, die eigene Einstellung zu vielen Dingen, die Sorgen, die Rituale und die Gewohnheiten.

Manches bleibt wohl, besonders für eine Mama, lebenslang wie es ist.
Anderes macht oder tut man ewig lang für seine Kinder (so wie der Adventskalender), weil man ja eigentlich gar nicht gern möchte, dass sie zu groß für manche Dinge werden -  und anderes muss man einfach akzeptieren und loslassen, ob man mag oder nicht.
(So, wie Herr Lillewind schon wieder akzeptieren muss, dass er definitiv zu gross für einen Adventskranz ist!)








In den letzten Tagen musste ich oft an die Zeit denken, als meine Kinder noch ganz klein waren, und mein Mann und ich praktisch für jeden Schritt, den wir allein vor die Tür machten, einen Babysitter brauchten.

An diese Zeit, als es normal war, dass bei Partys einer von uns beiden fehlte, weil der mangels Babysitter zuhause bleiben musste.

Aber auch an diese Zeit, als bei keinem unseren Frauen- und Freundinnen-Treffen - egal zu welcher Tageszeit - alle dabei waren. 

Grundsätzlich konnte mindestens eine von uns nicht, weil entweder der Mann auf Geschäftsreise war, im Kindergarten ein Elternabend einberufen worden war, bei dem man nicht fehlen durfte, ein Kind zum Sportplatz oder zur Musikschule - oder einfach so von Pontius bis Pilatus - zu fahren war, für eine Englischarbeit zu lernen war, oder „einfach nur“ die Windpocken ausgebrochen waren.

Wie oft haben wir damals gesagt:

Das wird alles wieder einfacher! Nur ein paar Jahre…! 











Aber dann gab es da vor vielen Jahren diesen Artikel in einer Frauenzeitschrift, der mich nachdenklich machte:

Piet war gerade zwei Jahre alt, und ich wusste, dass mir noch viele der oben beschriebenen Jahre bevorstanden.
Und das war soweit auch o.k. 

Es war ja schließlich nur eine Phase und würde vergehen?!

Wir waren damals übrigens im Urlaub in der Provence, und ich lag 
- sofern Piet mich liess - am Pool, der einem Hochsicherheitstrakt mit hohem Zaun und Alarmanlage glich, und mir täglich bewusst machte, dass die Verantwortung und die Gefahren für Kinder im Alltag nicht zu unterschätzen sind.

Gerade begann ich mir dennoch vorzustellen, dass es nur noch ein paar Jahre wären, bis meine Söhne mir den

Café au Lait hier servieren könnten, da war er vor mir...
Der Artikel in der Frauenzeitschrift, der mich da ganz anderer Dinge belehren wollte.
Er war übrigens geschrieben von einer Ehefrau und Mutter in meinem heutigen Alter, und machte mich recht nachdenklich.

Wir gehen doch alle davon aus, dass es, wenn unsere Kinder erst größer sind, wieder einfacher wird, unseren eigenen Interessen nachzugehen.
Ihr doch auch, oder?

Man kann seine Zeit dann endlich wieder eigenverantwortlich verplanen.

Man kann mit seinem Mann dann die tollsten Restaurants testen oder abendelang beim Lieblingsitaliener plaudern, während man sich stundenlang tief in die Augen schaut (hüstel).
Man trifft sich endlich wieder regelmässig mit den Freundinnen, um Rotwein zu trinken - gern wieder im „Szene“- oder "In"-Lokal - und es ist wieder völlig gleichgültig, ob wir um 22 Uhr, um 23 Uhr oder nach Mitternacht nach Hause kommen, weil da kein Baby gestillt werden muss und kein Babysitter nach Hause geschickt werden muss.
Es spielt auch auch (in praktischer Hinsicht) keine Rolle mehr, ob der Mann gerade in Shanghai das Millionenprojekt bekommt oder in der Südsee segelt.


Wir werden wieder viel unabhängiger sein!








Und da erzählt mir der Artikel in der Zeitschrift plötzlich, dass sich die Zeiten tatsächlich ändern.

Aber anders....

Denn tatsächlich berücksichtigt man in der Zeit, wenn man Babys hat, zwar den Umstand, dass Babys wachsen und aus Kindern Leute werden.
Irgendwie vergisst man dabei aber, dass auch wir selbst älter werden - zumindest manche von uns - und nicht nur wir, sondern auch unsere Familien und Freunde werden es.

Und irgendwann fangen dann tatsächlich wieder ganz andere Zeiten an. Nur anders, als wir einmal gedacht hatten.

Plötzlich beginnen dann nämlich bei den Frauenabenden die
„Ich-vertrage-keinen-Rotwein-und-ich-bin-Nachtblind“- und die „Ich-muss-jetzt-nicht-mehr-vier-sondern-vierzehn-Kilo-abnehmen“-Zeiten.

Während wir früher mit sechs Frauen an einem langen, lustigen Frauenabend auch schon einmal fünf Flaschen Sekt getrunken haben, müssen heute plötzlich drei von sechs Frauen die drei Strassen bis nach Hause mit dem Auto fahren.

Zwei weitere nippen an einer Weißweinschorle, weil sie plötzlich intolerant gegenüber Histamin in Rotwein sind, und die Letzte, die mit mir zusammen Rotwein trinkt, trinkt tatsächlich nur ein – na, vielleicht zwei Gläschen, weil wir alle am nächsten Morgen früh raus müssen.
(Danke übrigens noch einmal für den Hinweis).

Und Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass man an solchen Abenden auch immer genau weiß, wer die Flasche geleert hat, wenn die Gastgeberin uns beiden Rotwein-Trinker gegen 22h fragt: „Na, Ihr beiden?! Ein Gläschen trinkt ihr doch noch, oder?! Ich mache Euch mal noch ein Fläschen auf!“.

In dieser Zeit beginnen dann auch die Parties, auf denen die Frauen wieder, wie damals, als alle der Reihe nach erst schwanger und dann stilldement wurden, bei Wasser und alkoholfreiem Bier beisammen stehen. 

Schwanger ist jetzt aber keine mehr von uns. 
Stattdessen muss nun immer eine von uns im Laufe des Abends ihre Kinder abholen.
Jetzt allerdings nicht mehr vom Flötenunterricht, sondern angetrunken von den Teenie-Partys.

Gab es in der frühen Kindheit Deiner Kinder einmal eine Zeit, in der Du dachtest, dass Du irgendwann einmal keinen Babysitter mehr benötigen wirst, dann genieß die kurze Zeit, die irgendwann tatsächlich kommt.

Du kannst Deine Kinder dann tatsächlich mit einer Tüte Chips, einer Flasche Sprite und „Wetten, dass....“ bestechen, damit Du und Dein Mann abends zu einem Event aufbrechen könnt, ohne erst einen Babysitter zu organisieren.

Ich kann Dir sagen: Das kommt!
Ich muss Dir leider aber auch sagen, dass diese Zeit mit ziemlicher Sicherheit sehr kurz sein wird.

Und dann kann es von heute auf morgen passieren, dass Deine Kinder, die inzwischen Teenager sind, zuhause (natürlich ohne Dein Wissen) die gleiche Party feiern werden, wie Du sie unter Umständen gerade besuchst.
Nur folgenschwerer.... für die Tapeten....die Teppiche...die empfindlichen Möbel...


Es liegt allerdings tatsächlich nicht an Deinen grossen oder kleinen Kindern, dass es in dieser Zeit merkwürdigerweise noch immer nicht leichter, sondern manchmal sogar noch schwerer wird, ein Frauentreffen zu arrangieren.

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass viele Frauen unfreiwillig Spät- oder Neustarter sind, was ihre eigene berufliche, kreative oder interessenmässige Entwicklung betrifft.

Während in Deutschland die meisten Männer die Hochphase Ihrer beruflichen Entwicklung im Alter zwischen 30 und 40 durchleben, und in dieser Zeit Vollgas geben, starten viele Frauen erst um die Vierzig wieder voll durch.

Während für viele Männer diese eigene Entwicklung ab Vierzig abgeschlossen ist, und viele sich so gut entwickelt haben, dass es ihrer Meinung nach, bis zum Beginn der Rente - früher oder später - keinen Nachbesserungsbedarf mehr gibt, hatten wir Frauen genug Zeit, uns nicht nur Gedanken zu machen, was wir wirklich können, sondern auch, was wir wirklich wollen.

Und Ihr wisst ja:

Frauen über Vierzig wissen wirklich, was sie können!
Und noch mehr wissen Sie, was sie wollen.

Hinzu kommt, dass unsere Familie unsere Kräfte nun nicht mehr zu 100% aufbraucht – zumindest dürfen wir jetzt in der Regel nachts durchschlafen – und wir uns wieder anders fokussieren können.

Und das tun viele von uns jetzt mit sehr viel Energie.

Es ist bewunderswert, zu sehen, was viele Frauen gerade jetzt um die Vierzig, mit dem Wissen, das uns vor zehn bis fünfzehn Jahren noch fehlte, auf die Beine stellen.

Da hinein setzen wir jetzt nämlich unsere ganze Frauenpower, die wir vorher benötigten, um das kleine Familienunternehmen unter teilweise härtesten Bedingungen am Laufen zu halten.
Man könnte meinen, wir seien wirklich sturmerprobt!

Allerdings werden Frauen über Vierzig dadurch auch für viele Männer anstrengend.

Verständlich, wenn ihre Männer im Grunde ja auch jahrelang darauf gehofft hatten, dass Ihr häusliches Leben sich irgendwann wieder einmal entspannen wird.






Jetzt wäre ja auch die perfekte Zeit:

Die Kinder sind größer, die Karriere nicht mehr in den Startschuhen, der Hausbau abgeschlossen.
Keine großen Überraschungen mehr zu erwarten.
Und da geht Frau jetzt plötzlich noch einmal steil?! 

Nicht immer, hat der Mann sich das so vorgestellt. 
(Mit Herrn Lillewind habe ich da echtes Glück gehabt,...)
Aber das nur am Rande…

Was ich sagen wollte, war, dass die Tatsache, dass wir Frauen uns wieder viel mehr in anderen beruflichen oder privaten Projekten engagieren können, natürlich auch zur Folge hat, dass wir bei den Terminen für Frauenabende wieder genauso da stehen, wie vor zehn Jahren.

Die eine Freundin steckt nun in einer Weiterbildung, die andere hat einen Termin im Ausland, die Dritte plant gerade gar ihre erste eigene Ausstellung.
Und wieder sind nie alle gleichzeitig bei einem Treffen da.

Was wir aber vielleicht alle am wenigsten berücksichtigt haben, als unsere Kinder klein waren, ist der Punkt, in dem es in dem Artikel, den ich damals in der Frauenzeitschrift in der Provence gelesen habe, hauptsächlich ging:
Auch unsere Eltern werden älter!

Wenn unsere Kinder größer sind - und damit meine ich Teenager , sind die Frauen in der heutigen Zeit in der Regel um oder über 40 Jahre alt und unsere Eltern um die 70.

Für viele heißt das, dass die Eltern, die bislang uns unterstützt haben, nun unsere Unterstützung benötigen.

Haben wir vorher Termine absagen müssen, weil Kinderkrankheiten ausbrachen, schrieb die Autorin des Artikels damals davon, dass sie es nie mehr pünktlich zu den Frauenabenden schaffte, weil sie im Pflegeheim ihren Vater versorgen musste, weil das Personal das nicht mit der Fürsorge tat, die Ihr wichtig war.


Man könnte sagen:
Andere Zeiten, andere Freuden, Beschäftigungen, Sorgen und Probleme.










Aber jetzt zurück zum Adventskalender.

Ich konnte in diesem Jahr nicht so viel Zeit mit Basteln verbringen, wie ich es in früheren Jahren schon einmal getan hatte, wollte ihn aber dennoch nicht wegfallen lassen.
Ausserdem sollte er dem Alter des Teenies angemessen sein.

Daher fällt er in diesem Jahr schön schlicht aus.
Dafür gibt es neben der "normalen" Füllung täglich einen gedruckten schönen Spruch oder ein Statement.
Zum Nachdenken oder aber zum Schmunzeln.

Allerdings ist der ganze "Adventskalender" etwas raumfüllend geworden, denn 48 Päckchen fordern einfach Platz, aber er paßt perfekt auf die Rundung unserer Treppenbrüstung.

Solltet Ihr auf die Schnelle - zwei Tage habt Ihr noch -  noch einen Kalender benötigen, kann ich Euch diese Art wirklich sehr empfehlen. 
Die Tütchen und Zahlen könnt Ihr - wie ich - online bestellen,  und sie werden noch am gleichen Tag verschickt.

Was die Füllung betrifft, sind Euch dann ja keine Grenzen gesetzt.

Und Euren Gedanken über das Leben beim Befüllen auch nicht....

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Vorweihnachtszeit!

Liebste Grüße von 
Eurer Lillewind


Tütchen: Depot
Zahlen:   Odernichtoderdoch



Kommentare:

  1. Liebe Lillewind,
    sehr schöne Bericht der zum Nachdenken anregt. Ich habe zwar keine Kinder aber ich bewundere meine Freundinnen für ihr Organisationstalent. Ich habe "nur" meinen Fulltimejob der viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich bin meist viel zu Müde (oder ich arbeite) um an den Mädlstreffen teilzunehmen und schaffe kaum den Haushalt. Ich rede mir auch immer ein, das wird wieder. Aber du hast Recht, es wird..... anders!
    Alles Liebe
    Natascha

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    1. Liebe Natascha
      "Nur" ein Fulltime-Job ist gut...!Ein Job läßt nicht wirklich Freiraum und fordert sehr viel Energie. Davor kann ich nur den Hut ziehen, und weiß, dass ich mich mit meinem Teilzeitjob trotz "anderer" Aufgaben durch die Familie ist mir sehr bewußt, dass ich da einen großen Luxus habe. Aber - wie wir ja wissen - auch das wird (irgendwann) anders!
      Schön, dass Du Dich gemeldet hast (und ich habe es leider viel zu spät gesehen...;-)
      LG

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